ADHS-Coaching-Netzwerk

ADHS-Coaching – neuer Blick auf ADHS

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Wie die spontanen Impulse eines Menschen mit AD(H)S im Umgang mit Social Media hilfreich sein können. Einige Überlegungen 

Gerade in den aktuellen Corona-Zeiten sind manche von uns häufiger auf den Social Media Plattformen unterwegs. Es gibt gut organisierte AD(H)S-Foren oder kleinere WhatsApp-Gruppen, die in diesen Zeiten ein Stückweit die Aufgabe von Selbsthilfegruppen übernehmen. Und natürlich die persönlichen Kontakte, die wir jetzt verstärkt online pflegen. 

Zudem gibt es im Internet unzählige Beiträge aus dem Bereich Lebensberatung, Persönlichkeitsentwicklung u. ä. Feeds und posts auf Instagram und Facebook, Videos auf YouTube, Podcasts oder kleinere Artikel auf den Homepages können von jedem Menschen, ob nun therapeutisch ausgebildet oder nicht, mit geringem Aufwand hergestellt und öffentlich gemacht werden. 

Wenn du gerade vermehrt solche Beiträge anschaust, hörst oder liest, sind folgende Überlegungen ggf. hilfreich für dich: 

Du hast deine Erfahrungen mit dem Symptom „fehlende Impulskontrolle“? Entweder reagierst du sehr prompt (mit „H“) oder du ziehst dich prompt sehr stark in dich zurück (ohne „H“)? Dem Bildschirm, vor dem du jetzt häufig sitzt, ist das egal! Deine Unsicherheit über deine Impulse mag bisweilen groß sein. Zu häufig hast du sie selbst problematisiert oder unangenehmes Feedback im Außen bekommen. Aber vor dem Bildschirm kannst du den Versuch starten, diese Impulse für dich einzusetzen. Wie geht das? Wenn du etwas im Internet liest, hörst oder anschaust, reagierst du wie üblich gefühlsmäßig manchmal sehr schnell darauf. D. h. dass du im Prinzip sehr schnell Zugang zu deinen Gefühlen hast. Und nun kommt der entscheidende Punkt: versuche nicht, deine Impulse runter zu dimmen, sie zu „kontrollieren“. Damit entscheidest du nämlich sofort, gleichgültig, warum du gerade so reagierst, dass deine Reaktion problematisch ist. 

Versuche es mal anders herum: du liest etwas, reagierst prompt mit einem starken Gefühl und … hörst dem zu, vertraust dem, was du gerade fühlst, spürst dem nach. Atmest dabei weiter, lässt es geschehen… In dem Moment passieren zwei Dinge: du hast erstens nicht sofort reagiert, und gehst zweitens dem nach, was in dir ist. Du machst deine Impulse nicht mehr runter und versuchst sie zu kontrollieren, sondern du regulierst deine Reaktion, indem du deinem ersten Impuls zuhörst, ihm im besten Fall lernst zu vertrauen. 

Ein Beispiel: 

Du interessierst dich für das Thema Meditation. Daher liest du einiges dazu. In einem Instagram-post stößt du auf die Aussage: „Meditation ist die Voraussetzung dafür, um glücklich sein zu können. Fang endlich an!“ Vielleicht spürst du einerseits Interesse. Ansonsten hättest du ja nicht angefangen, zu dem Thema zu lesen. Andererseits machen sich sofort ungute Gefühle breit. Vielleicht das: „Ach, ich kriege das doch wieder nicht gebacken.“ Oder: „Wenn ich anfange, hält das eh nicht lange.“ Damit machst du dich spontan runter. Interessant wäre aber zu schauen, warum das so ist. Was deine inneren Gefühle dazu sind, die dich entweder nicht starten oder schnell wieder abbrechen lassen. Du darfst es dir wert sein, dem auf die Spur zu gehen. Vielleicht ist Meditation nicht deins. Vielleicht machst du einfach lieber ein Nickerchen um abzuschalten, einen Spaziergang oder Sport. Oder du weißt, dass eine Meditation tiefe Gefühle auslösen kann, was dir zunächst Angst macht. Wenn du sofort deinen Impuls problematisierst, wirst du das nie erfahren. 

Oder vielleicht spürst du einen inneren Widerstand, wenn du die ultimative Aufforderung liest: „Fang endlich an!“ Als ob nur Meditation glücklich macht und alle Menschen, die es nicht tun, verloren sind. Glaube deinem inneren Widerstand, denn natürlich ist solch eine Aussage Unsinn. Es gibt viele Wege, um runterzukommen oder zu sich selbst zu finden. (Eine Randbemerkung: ich liebe Meditationen! Ich denke einfach nur nicht, dass es jedem Menschen so gehen muss!) 

Die meisten Menschen, die im Internet solche Beiträge zur Verfügung stellen, sind selbst auf der Suche nach Zufriedenheit und Glück. Wenn du auf einen Beitrag stößt, der dich zum Nachdenken anregt, dir den Raum für deine eigene Entwicklung lässt, dann kann das bereichernd sein. Aufpassen müssen wir, wenn Beiträge ultimativ formuliert sind, z. B.: 

„Komm raus aus deiner Komfortzone!“ Als ob ein Lebensbereich, in dem wir uns geschützt und sicher fühlen, schädlich wäre. Wenn es dir beispielsweise darum geht, aus einem gewohnten Trott herauszukommen, ist es wichtig sich zuzugestehen, dass wir bei einer Änderung unseres Lebens auf unser Schutzbedürfnis besonders achten müssen! 

Oder, ganz beliebt: 

„Denke positiv, dann hast du automatisch ein glückliches Leben!“ Da krabbelt sofort das Selbstkritik-Programm in uns hoch, denn wir wissen einfach, dass das nicht dauernd zu schaffen ist. Und in unserem Inneren spüren wir, ob mit oder ohne AD(H)S, dass wir dann nur auf einem Bein stehen würden und damit sehr wackelig. Wut, Trauer oder Angst gehören zu uns wie Freude und Liebe. Wenn wir anfangen, auf unsere Impulse zu horchen, werden wir uns nach und nach besser selbst verstehen. Und stabiler auf beiden Beinen stehen. 

Und ein letztes Beispiel, aus aktuellem Anlass quillt das Netz über mit Ratschlägen wie diesem: 

„Du hast während der Corona-Krise mehr Zeit für dich selbst? Nutze sie, um dich persönlich weiter zu entwickeln!“ Gehen wir mal von jemandem aus, der tatsächlich gerade mehr Zeit hat. Nichtsdestotrotz ist die Corona-Krise eben eine Krise und nicht einfach ein nettes Phänomen, das uns mehr Freizeit beschert. Es gibt so viel Neues, was uns zurzeit beschäftigen und auch Angst machen kann. Unser Gehirn ist damit häufig im Krisenmodus und hilft uns dabei, mit der Krise umzugehen. Nicht umgekehrt. 

Ich bin überzeugt, dass wir nach dem Ende der Corona-Pandemie häufig staunen werden, inwieweit unser Leben auch im Positiven verändert sein wird, weil wir jetzt alle kreativ mit diesem neuen Leben umgehen müssen. Ich persönlich hätte beispielsweise wohl nie ernsthaft mit Video-Coachings begonnen und freue mich jetzt über diese gute Erfahrung. Aber wir sollten unser Seelenleben nicht runtermachen, wenn es jetzt nicht auf Knopfdruck veränderbar ist. Geben wir uns tatsächlich die Zeit, die wir haben und die wir brauchen … Auch unseren Impulsen vor dem Bildschirm, wenn wir auf Social Media unterwegs sind! 

Wenn du mehr über mich und meine Arbeit erfahren oder mich kontaktieren möchtest, findest du hier alle Kontaktdaten: 

Homepage: https://boegecoaching.jimdosite.com 

Instagram: @meinankerplatz_coaching 

Facebook: Petra Böge 

Kommt gut durch diese Zeit! 

Herzlichst, 

Eure Petra Böge 

Zu meiner Person und zum Entstehen dieser Beiträge:

Ich, Elke Kröhner, arbeite seit 10 Jahren als selbständiger ADHS-Coach und begleite Menschen in schwierigen Situationen im Rahmen der Alltagsassistenz.

Wie meine Kollegin Petra Boege bereits beschrieben hat, gibt es in den Sozialen Netzwerken viele Diskussionen und praktische Tipps zur aktuellen Lage.

Deshalb hatte ich die Idee, etwas andere Gedanken zum Thema “Corona” und AD(H)S niederzuschreiben und vielleicht die Zeit aktiv zu nutzen. Wir haben darüber diskutiert, wie und ob… und das, was Sie hier lesen, ist dabei rausgekommen. 

Sofern es uns möglich ist, wollen wir das weiterführen und vielleicht beteiligen sich auch noch andere Kolleginnen und Kollegen…

Den Hyper-Fokus aktiv nutzen!

Ich möchte Mut machen, die sonst manchmal als so „störend“ empfundenen Verhaltensweisen im Hyper-Focus bewusst wahrzunehmen und aktiv zu nutzen. Im Coaching versuche ich dies mit meinen Klienten individuell zu erarbeiten. Da Sie im Moment vielleicht die Zeit haben, bietet sich die Möglichkeit, über diese Plattform einen Selbstversuch zu starten.

In diesem Fall, sozusagen als Pilotprojekt, aktiv geplant und eingesetzt.

Ob sich das nun auf Bastelarbeiten oder die Recherche am PC bezieht – sich da hineinvertiefen können und den Rest der Welt (fast) vergessen, ist in diesen Zeiten eine wertvolle Ressource und ermöglicht eine Pause inmitten der Katastrophennachrichten.

Was meine ich mit Pilotprojekt?

Sie sehen Ihr Handeln aus einer anderen Perspektive:

  • Im Hyperfokus erleben Sie gewöhnlich, dass Sie sich mit anderen Dingen beschäftigen, als Sie sollten oder wollten. Nun nehmen Sie bewusst wahr, dass Sie abschalten und Ihre Sorgen und Nöte nicht mehr wahrnehmen.
    => Sie haben eine Auszeit gewonnen!
  • Sie nehmen bewusst wahr, welchen Nutzen Sie aus dem Hyper-Fokus ziehen.
  • Falls er sich nicht herstellen lässt: Versuch der Beobachtung, was sonst dazu führt, dass Sie dahin kommen.
  • Sie erleben Erfolg bei der Steuerung und des bewussten Einsetzens von Strategien.

Der Gedanke ist, zum einen sich ganz bewusst mit etwas zu beschäftigen, womit wir ansonsten Zeit verlieren. Dies aber in einem Rahmen, den Sie sich vorher stecken.

Da Sie im Moment, wie für viele von uns, keinen Zeitdruck haben, können Sie diesmal ganz entspannt versuchen – wenn es nicht gleich klappt, ist das auch ok, dann haben Sie eine Auszeit genommen…

Also, wozu haben Sie Lust? Was machen Sie sehr gerne, verlieren sich aber oft darin?

Wieviel Zeit möchten Sie sich heute dafür geben?

Sorgen Sie für ausreichend Essen und Trinken und stellen Sie sich den Wecker oder lassen Sie sich anrufen, wenn sie spätestens enden möchten.

Wenn der Wecker klingelt – was ist passiert?

Konnten Sie sich hineinversetzen?

ACHTUNG!!

Sofern Sie wissen, dass Sie für gewisse Tätigkeiten ein Suchtverhalten entwickelt haben, prüfen Sie genau, ob es für Sie gut wäre, diese (wieder) zu intensivieren. Hier gilt es zu überlegen, ob Sie andere Strategien nutzen können.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Ausprobieren“
Viel Erfolg und bleiben Sie gesund!

Kontaktdaten:
Homepage: http://adhs-coaching.info
E-Mail: mailto: nachricht@adhs-coaching.info

Für Dahinter-Blicker:

Was passiert im Hyperfocus? Wie ist diese Funktion einzuordnen?

Lesen Sie hier weiter!

Hallo! Mein Name ist Petra Böge. Ich bin systemisch-therapeutische und AD(H)S-Coach für Erwachsene in Kiel.

Üblicherweise arbeite ich fast ausschließlich im direkten Kontakt, wo es leichter ist, Vertrauen aufzubauen und herauszufinden, was der einzelne Mensch, der zu mir kommt, tatsächlich gerade braucht. Das ist zurzeit nur nicht möglich. Deswegen die Idee, diese Seite etwas zu beleben. 

Allgemeine und konkrete Tipps zum Tagesablauf finden Sie in diesen Tagen in vielen sozialen Netzwerken und im Internet, wo man sich mit der Beratung von Menschen mit AD(H)S beschäftigt. Daher tu ich das nicht auch. Aber natürlich ist das Thema Tagesablauf DAS Thema jetzt. Selbst die, die arbeiten, sind auf Grund der Kontaktbeschränkungen häufiger zu Hause als üblich. Die, die  – genau wie ich – nicht systemrelevant sind, sind noch viel mehr zu Hause. Daher ist die zentrale Frage dieser Tage natürlich: Wie gestalte ich meinen Tagesablauf? 

Diese Frage stellen wir uns, weil Struktur uns Sicherheit gibt. Ohne Struktur sind wir verwirrt. Verwirrung führt zu Unsicherheit und das zu einer erhöhten Symptomatik. Das führt wiederum zu verwirrenden und verunsichernden Situationen und das wiederum ……. (Wenn ich „wir“ und „uns“ schreibe, dann deshalb, weil ich im Jahr 2012 selbst eine ADHS-Diagnose bekommen habe und das meiste, wovon ich hier schreibe, also aus eigenem Erleben kenne.)

Deshalb versuchen wir derzeit alle, vor dem Hintergrund der Corona-Krise Struktur in unseren sich laufend verändernden Alltag zu bringen. Eine Bitte, die mir dabei ganz wichtig ist: Seien Sie nicht zu streng mit sich, wenn Dinge nicht beim ersten Mal funktionieren oder sich für Sie als gar nicht praktikabel erweisen: das würde nur den Druck erhöhen. Und Druck sind wir von außen zurzeit beileibe genug ausgesetzt. Seien Sie sich bewusst, dass es eben nicht nur um die Gestaltung des Tagesablaufs geht und darum, dass Sie das hinkriegen. Nebenher laufen ja auch unsere Sorgen weiter: um unsere Gesundheit und die unserer Nächsten, vielleicht entstehen finanzielle Sorgen durch die Einschränkungen etc.

Also nochmal: Wie gestalte ich meinen Tagesablauf so, dass ich einigermaßen damit okay bin? Um diese Frage beantworten zu können, brauchen wir Klarheit. Klarheit steht am Anfang von allem. Beobachten Sie sich die nächsten Tage einfach mal. Konzentrieren Sie sich auf das, was funktioniert bzw. auf das, womit Sie zufrieden sind. Immer, wenn Sie mit einer Situation, mit etwas, was Sie getan oder gelassen haben, zufrieden sind, dann deshalb, weil Sie Klarheit darüber hatten. Weil Sie genau wussten, was Sie wollten. Das ist zunächst überraschend, denn oft läuft das nicht ganz bewusst ab. Holen Sie sich das, was funktioniert, in Ihr Bewusstsein. Machen Sie, wenn möglich, mehr davon. In diesen Tagen geht es nicht darum, sich neu zu erfinden. Es geht darum, durch diese Zeit so gut wie möglich durchzukommen. Und vieles lässt sich dann auf Situationen übertragen, die noch schwierig sind.

Ein Beispiel aus meinem Alltag: ich habe das Glück, einen Garten zu haben. Dort verbringe ich, selbst bei schlechtem Wetter, gern einige Stunden und puzzle dort herum, obwohl der Boden und der Kleiderschrank dringend aufgeräumt werden müssten. Niemand braucht mir zu sagen, dass gemäht oder ein Beet gejätet werden muss. Ich sehe es selbst und habe das Bedürfnis, es zu tun. Also mache ich das zurzeit so oft ich Zeit finde. Darum geht es in diesen Tagen. So häufig wie möglich das tun, wohin es uns wirklich zieht. Damit wir auch für das Kraft haben, was wir in diesen Tagen noch tun müssen und was wir nicht so gern tun.

Mir ist bewusst, dass solch ein Text bei weitem nicht alle Themen und Bedingungen, denen wir uns zurzeit ausgesetzt sehen, berücksichtigen kann. Falls Sie das Bedürfnis haben, persönlich mit mir Kontakt aufzunehmen, finden Sie die notwendigen Kontaktdaten hier:

Homepage:

https://boegecoaching.jimdosite.com

Instagram: @meinankerplatz_coaching 

Facebook: Petra Böge

Kommen Sie gut durch diese Zeit! Bleiben Sie gesund!

Ihre 

Petra Böge

vom AD(H)S-Coaching-Netzwerk